editorial

Das Jubiläums-Elbhangfest ist vorüber. Viele wunderbare Kulturerlebnisse ließen die Fußballweltmeisterschaft zeitweise vergessen.
Eine kurz vor dem Fest erschienene Broschüre „Zwanzig Elbhangfeste“ erinnert auch an den Beginn, bei dem zentraler Gedanken der Wiederaufbau von Loschwitzer und Pillnitzer Kirche war.

Der Wunsch nach der Rettung historischer Gebäude war nach vierzig Jahren Sozialismus tief in der Bevölkerung verankert. Denkmalpflege war kein „Bremsklotz“, so wie sie heute teils dargestellt wird, sie war progressiv und verbindend.
Dr. Hans Nadler, der das Institut für Denkmalpflege in Dresden begründete und viele Gebäude retten konnte, wäre im Juli 100 Jahre geworden. Die Laudatio (S. 8) schrieb Gerd Kleber, langjähriger Bibliothekar des Instituts. Er beschreibt die „Politik“ Nadlers, zum Beispiel ehrenamtliche Denkmalpfleger in die Arbeit einzubeziehen.
Ein solcher war Eberhard Münzner, der im Mai den Sächsischen Verdienstorden bekam (S. 14). Er war auch Gründungsmitglied und mehrere Jahre Vorsitzender der IG Loschwitz im Kulturbund, einem Vorgänger des Ortsvereins Loschwitz-Wachwitz e.V. und Autor unserer Zeitschrift. Bei seiner Arbeit als Denkmalpfleger zog er auch immer Photographien von August Kotzsch zu Rate, was er im Katalog zur Ausstellung „Von Loschwitz nach Amerika – August Kotzsch“ (S. 10) beschreibt. Zur Denkmalpflege gehört aber auch das Wissen um die Geschichte und den Architekten eines Bauwerkes. Eine Wissenslücke
über den Architekten Theodor Lehnert (S. 18) können wir in diesem Heft schließen.

Die Denkmalpflege, der wir Dresdner vor allem nach 1990 viele restaurierte Bauten verdanken, steckt in einer Sinnkrise. Zum einen ist die richtungsweisende wissenschaftliche Arbeit des Landesamtes weniger präsent. Zum anderen will die Politik den Einfluss der Denkmalpflege beschneiden. (s. S. 23). Welchen Stellenwert wir der Denkmalpflege in den nächsten Jahren einräumen, wird jetzt verhandelt. Schon heute kann der Erhalt einer in der Verantwortung der Stadt liegenden, einsturzgefährdeten und unter Denkmalschutz stehenden Friedhofsmauer (Loschwitz) einen monatelangen „Behördentanz“
bedeuten.

Jürgen Frohse