| Zur Erinnerung an Johannes Beutner | |
In den fünfziger Jahren war der Maler Johannes Beutner im Dresdner Kunstleben eine bekannte Größe. Seine dekorativen Arbeiten im öffentlichen Raum die Glasmosaiken im Foyer der heutigen Orthopädischen Universitätsklinik und auf der Säule vor dem Café Prag am Altmarkt waren stadtbekannt, und Gemälde von ihm hingen in allen Bezirksausstellungen. Fritz Löffler zählte ihn 1987 zusammen mit Hegenbarth, Wilhelm, Winkler, Jüchser und Kröner zu jenen Malern, die das Dresdner Kunstleben entscheidend mitbestimmten. Damals lag er schon seit 27 Jahren zwischen seinen Malerfreunden auf dem Loschwitzer Friedhof, unweit der Toreinfahrt bei der westlichen Mauer. Mit einigen von ihnen gehörte er zu den Getreuen Sieben, die seit 1931 zum gemeinsamen Zeichnen in die Landschaft zogen, später auch um unbelauscht politische Gespräche zu führen, Antifaschisten alle, auch Otto Griebel war dabei. Wie die meisten von ihnen verlor auch Johannes Beutner fast sein gesamtes Lebenswerk beim Bombenangriff auf Dresden. Danach blieben ihm nur noch fünfzehn Lebensjahre. Zwölf davon, bis zum Ausbruch seiner tödlichen Krankheit, waren seine besten. Nach 1945 gelang es ihm durch glücklichen Zufall, ein Haus in Oberloschwitz zu erwerben, im alten Weinberggebiet, einer einzigartigen Landschaftssituationen, schrieb Löffler zu Recht. Er fühlte sich befreit und war jetzt ein anerkannter Künstler, mit öffentlichen Aufträgen bedacht. Er malte viel und gut in dieser Zeit glückliche Werke von festem Bau und klarer Komposition. Es scheint so, als ob glückliche Zufälle sein Leben bestimmt hätten. Ersichtlich war es aber das Glück des Tüchtigen, die kluge Nutzung guter Anlagen und guter Gelegenheiten. Geboren 1890 in Cunnersdorf in der Sächsischen Schweiz als Sohn eines Schmiedemeisters und Werkzeugmachers, wuchs er auf in Rochwitz. Damals besaß Professor Richard Müller das Ludwig-Richter-Haus in Oberloschwitz. Er war der Exerzitien- und Zuchtmeister seiner Zeichenklasse an der Akademie auf der Brühlschen Terrasse. Wer das Studium bei ihm durchlaufen hatte, mußte kein guter Künstler sein, aber das Handwerk des Zeichnens hatte er von Grund auf gelernt. Ein zeichnender Arbeitersohn aus Rochwitz muß ihm als begabt erschienen sein. Es war der dreizehnjährige Johannes Beutner. Müller erteilte ihm Unterricht und sorgte für die vorzeitige Aufnahme des Fünfzehnjährigen in die Klasse Robert Sterls an der Akademie. Höheres und Besseres gab es nicht. Was wie ein Märchen begonnen hatte, schien jäh abzubrechen. Denn schon nach Jahresfrist zwangen ihn wirtschaftliche Gründe, eine Lehre aufzunehmen. Er lernte Farbchemograph. Doch gerade dies, schrieb Löffler, bedeutet eine entscheidende Schulung seines Farbgefühls. Von 1915 bis 1918 war Johannes Beutner Soldat im Ersten Weltkrieg, danach bis 1920 technischer Leiter einer Kunstanstalt in Leipzig. Dreißigjährig ging er nach Dresden zurück, um sein Studium an der Akademie fortzusetzen. Instinktsicher wählte er die ihm gemäße Richtung. Bis 1924 war er zuerst Schüler bei Otto Hettner, dann Meisterschüler bei Ludwig von Hofmann. Dies waren die Neoklassizisten der Dresdner Akademie, zugleich Meister einer gemäßigten Moderne, bedeutende Maler, deren Wirkung noch unerforscht ist. Bei ihrem Schüler Beutner ist sie aber deutlich zu sehen, im Aufbau seiner frühen Bilder aus klaren Kontrasten und Angleichung der dargestellten Körper an geometrische Formen, ohne daß diese Ordnungsprinzipien jemals das Prinzip des Realismus in Frage stellen. Seine Farben bringt er damit überein durch Brechung auf einen gedämpften Ton, der Ruhe und Klarheit im Bilde herrschen läßt. Es ist diese Grunddisposition der schönen Malerei, die der große Kunstlehrer Carl Rade, Professor an der Kunstgewerbeakademie, so eindrucksvoll verkündete, daß sie zum Kennzeichen und Qualitätsstandard Dresdner Malerei wurde, bis in die achtziger Jahre hinein. Wahrscheinlich auf Grund dieser Merkmale hat Max Liebermann wie es überliefert wurde - Johannes Beutner 1930 für das Staatsstipendium der Deutschen Akademie vorgeschlagen, einen einjährigen Studienaufenthalt in der Villa Massimo in Rom. Nichts war geeigneter, die gleichsam natürliche Neigung des vierzigjährigen Malers zum Klassischen, Einfachen und Klaren zu festigen. Dies ist ein Charakterzug sächsischer Kunst, der spätestens seit Luthers Reformation in allen Wechseln der Zeiten und Stile immer wieder in Erscheinung tritt, viel bewundert als Neigung zu aufgeklärter Rationalität, viel geschmäht als Tendenz zu konservativer Beharrung. So wie die Italiener in Dresden, trafen also auch die Dresdner in Italien auf Verwandtes in der Fremde, nützlich zur Selbstfindung oder Selbstverständigung. Beutner, wie die meisten Dresdner Maler seiner Generation auf der Entwicklungsstufe der neuen Sachlichkeit, war aber nicht nur fasziniert von der Stimmigkeit des klaren Lichts und der kubischen Architektur in der Landschaft Italiens, sondern er orientierte sich auch an der verwandten italienischen Moderne, die in Korrespondenz stand mit der Französischen. Als er 1931 zurückkam, hatte er seine endgültige Bildstruktur gefunden, die Konsequenz aus der ihm eigenen Anlage: der feste Bau, die Geometrie und die stimmig gebrochenen Farben blieben, aber die in diesen Prinzipien angelegte Neigung zur flächigen Kompostion war nun voll ausgebildet, und daher hoben sich seine Körper nicht mehr voneinander durch Kontraste ab, die das Plastische betonen, sondern durch Konturen, die die Fläche gliedern. Bei diesen bildnerischen Grundsätzen bleibt er sein Leben lang. Sie waren klassisch einfach, handwerklich stabil, und sie entsprachen darin einer Moralvorstellung für Kunst und Leben. Man findet diese Art von formgewordenen Anstand in Werken von Dresdner Malern der Generation Beutners wiederholt, am ähnlichsten bei seinem getreuen Freund Karl Kröner. Dem vollendeten Ausdruck dieser Kunst- und Lebenshaltung begegnet man noch heute in den Darstellungen Hilde Beutners. Ein glücklicher Zufall führte ihm 1926 diese schöne junge Frau über den Weg, und er war tüchtig und instinktsicher genug, dieses Glück zu halten. Jenes klassische Ebenmaß, das er schon bei der Wahl seiner Lehrer gesucht und schließlich in Italien in Form umzusetzen gelernt hatte, war ihr Wesen. Solange er den Pinsel führen konnte, dreißig Jahre lang, wurde er nicht müde, sie zu malen. Er wurde durch sie zum besten Aktmaler der Dresdner Kunst dieses Jahrhunderts. Die Galerie besitzt zwei dieser Bilder. Betrat man Beutners Haus noch zu ihren Lebzeiten, gewahrte man sogleich den Ausdruck von Heiterkeit, Kraft und Harmonie in ihrer Erscheinung, ebenso wie in den großen Aktbildern von ihr im Treppenhaus, und man sah diese seltene Übereinstimmung einer alten Dame mit der sinnlichen Anmut und Pracht der schönen jungen Frau in den Gemälden. Sie war seine Muse. Man wünschte sich eine Tafel mit ihrem Namen zum Gedächtnis auch dieser außerordentlichen Frau, die sein Glück war, auf Beutners Grab. Joachim Menzhausen Literatur: Fritz Löffler: Johannes Beutner, Kunstheftreihe Maler und Werk, VEB Verlag der Kunst, Dresden, 1987 Sollten Leser des Artikels noch Fotos, Bilder oder Literaturnachweise von J. Beutner besitzen, wäre ich Ihnen dankbar, mich davon zu informieren, um das Archiv meines Vaters zu erweitern. W. Beutner Tel. 2687290 |
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